Bindungsspiele zur Förderung von Kooperation und Nähe

Eine gute Möglichkeit, dass Dein Kind von sich aus kooperiert, sind Bindungsspiele.

Warum Bindungsspiele so enorm hilfreich sind, erklärt sich, wenn wir verstehen, was in unseren Kindern vorgeht:

Kinder befreien sich durch Weinen und Wüten (während sie gehalten werden) von Stress. Statt „befreien“ könnte man auch sagen, sie entlasten sich, also eine Last fällt von ihnen ab.

Weinen und Wüten (während sie gehalten werden) ist die Kraftquelle kleiner Kinder. Darum sollten wir diese Gefühle nicht im Keim ersticken, sondern, sogar im Gegenteil, fördern.

Stressabbau geschieht nicht nur durch Weinen und Wüten (in unserem Beisein), sondern auch durch Lachen, und zwar ein Lachen, das von Herzen kommt.

Bei Bindungsspielen ist solch ein Lachen besonders einfach zu erreichen. Es gibt verschiedene mögliche Spiele, die die Bindung fördern.

In diesem Artikel wirst Du einige Spiele kennenlernen, die die Kooperationsbereitschaft Deines Kindes aufbauen und die Nähe zwischen euch stärken. Denn wenn wir mit unserem Kind spielen, fühlt es sich gesehen, geliebt und wertgeschätzt. Durch Lachen und Spielen lassen sich viele Erziehungsprobleme lösen oder sie entstehen gar nicht erst.

 

Regeln für Bindungsspiele

30 Minuten Wunschspielzeit pro Kind pro Tag wären perfekt, aber wer das nicht schafft, nimmt sich einfach die Zeit, die er aufbringen kann. Jede Minute ist besser, als überhaupt keine (Spiel-)Zeit.

Wichtig ist:

  • Dein Kind bestimmt, WAS gemacht wird
  • Und es sagt auch an, WIE es gemacht wird.
  • Du urteilst oder bewertest nicht oder lenkst das Spiel auch nicht in eine bestimmte Richtung

 

Wenn es Dir schwerfällt zu spielen

Deine Laune sinkt bei dem Gedanken daran, was Du noch alles zu tun hast, und Du empfindest es daher als vergeudete Zeit, mit Deinem Kind zu spielen?

Dann vereinbart vorher eine konkrete Spielzeit und stelle einen Wecker oder eine Küchenuhr auf diese Zeit ein. Solange der Wecker läuft schenkst Du Deinem Kind Deine ungeteilte Aufmerksamkeit: Handy aus oder wenigstens lautlos, keine Unterbrechungen! Nur Dein Kind und Du!

Du möchtest eine sofortige Verbesserung zwischen Dir und Deinem Kind?

Dann beginne gleich jetzt und such Dir das aus, das sich für Dich gut anfühlt und zu euch passt.

 

Was sind Bindungsspiele?

Unsere Kinder wollen kooperieren. Das ist in ihnen angelegt. Kein Kind der Welt hat es auf seine Eltern abgesehen, um diesen die Hölle auf Erden zu bescheren. Warum Kinder manchmal „schwierig“ sind, das hat sicher verschiedene Gründe, die man im Einzelfall ganz genau ansehen muss.

Bindungsspiele können zum positiven Effekt beitragen, ohne, dass geklärt sein muss, woher die Problematik stammt.

Bindungsspiele sind interaktive Spiele, die dazu beitragen, die Beziehung zum Kind zu festigen und nachhaltig – wenn man dranbleibt – zu verbessern.

Bindungsspiele fördern Spaß und das Lachen des Kindes, und auch Du wirst Deine Freude haben – versprochen!

Bindungsspiele können jederzeit und an jedem Ort durchgeführt werden. Für die meisten Spiele brauchst Du kein Zubehör, einzig Dich und Dein Kind, sowie gegebenenfalls Kreativität und die Fähigkeit zu staunen, wie sich Dein Kind Dir gegenüber öffnen wird.

 

Bindungsspiele im Baby– und Kleinkindalter

  • Guck-guck
  • Backe-Backe-Kuchen
  • Lautsprache des Kindes nachahmen
  • In den Bauch prusten
  • Mit den Zehen spielen
  • Zum Klang von Musik in den Armen wiegen
  • Auf den Knien schaukeln

Hierbei entwickelt das Kind von klein auf Selbstbewusstsein, Vertrauen, ein Gefühl der Sicherheit und des wechselseitigen Gebens und Nehmens, Humor und Lebensfreude. Auf diese Art lernen die Babys und Kleinkinder, mit uns zu kommunizieren und eine Beziehung zu uns aufzubauen.

 

Machtumkehrspiele

Bei Machtumkehrspielen geht es darum, vorzugeben, besonders schwach, ängstlich, ungeschickt, begriffsstutzig und, ja, auch wütend zu sein.

Du darfst hier Dein volles schauspielerisches Talent präsentieren. Je überzeugender Du Deine Rolle spielst, desto wahrscheinlicher ist es, dass Dein Kind lacht, und sich so von angesammeltem Stress (auch durch Deine Vorgaben und Regeln) entlastet.

Diese Art von Spiel bietet Kindern die Gelegenheit, sich von Frustration und dem Gefühl der Machtlosigkeit durch das Lachen zu befreien. Nach solchen Spielen sind sie oftmals eher bereit, sich an die Regeln zu halten und die unabdingbaren Einschränkungen in Kauf zu nehmen.

Beispiele:

  • Kissenschlacht, bei der Du vorgibst, besonders schwach zu sein
  • Dein Kind erschreckt Dich mit einer echt aussehenden Plastikschlange oder Spinne o.ä. Du kannst davonrennen und entsprechende Laute des Grauens und der Angst von Dir geben.

 

Regressionsspiele

Regressionsspiele schließen Aktivitäten ein, die normalerweise einem jüngeren Kind zugeordnet werden würden, beispielsweise, wenn das Vorschulkind plötzlich Baby spielt. Oft passiert das nach der Geburt eines jüngeren Geschwisterkindes.

Wichtig ist, das Verhalten nicht lächerlich zu machen, oder genervt zu sein, weil das ältere Kind plötzlich wieder in die Babysprache verfällt, obwohl es doch schon so gut sprechen kann. Gehe drauf ein, umsorge und versorge Dein großes Kind wie ein Baby. Nimm es auf den Arm, mache Babyspiele mit ihm (Bauch prusten, Dutzidu…)

Interessant ist, dass Kinder oft erst dann beginnen, sich wie ein Baby aufzuführen, wenn sie bestimmte Meilensteine der Entwicklung gemeistert haben.

 

Nicht-direktive, kindzentrierte Spiele

Für diese Art von Spielen brauchst Du Requisiten, die die Fantasie Deines Kindes anregen, beispielsweise Bauklötze, Puppen, Puppenhaus, Hand- oder Fingerpuppen, Ton, Anziehsachen zum Verkleiden, Material zum Malen und Basteln, kleine Spielfiguren, Stofftiere und Spielautos.

Dann lass Dein Kind entscheiden, was es damit anfangen möchte. Meist kommt schon schnell ein Thema ins Spiel, das Dein Kind momentan beschäftigt. Im Spiel kann verarbeitet werden, was belastet.

Spiele nur mit, wenn Dein Kind Dich dazu einlädt. Ansonsten sei präsent und anwesend, auch aufmerksam, aber beobachte nur.

Diese Spiele helfen Kindern, sich wahrgenommen, sicher und geliebt zu fühlen. Besonders nutzbringend zur Wiederherstellung der Bindung in Stress- oder Trennungssituationen, bei der Aufarbeitung traumatischer Ereignisse oder generell zur Stärkung der Bindung.

 

Symbolspiele

Bei den Symbolspielen lässt Du Deinem Kind nicht die freie Wahl, womit es gerade spielen möchte. Du stellst problembezogene Requisiten oder Themen, von denen Du weißt, dass Dein Kind sie verarbeiten muss.

Beispiel: Dein Kind hat einen Krankenhausaufenthalt hinter sich (Patient = Ohnmacht) und Du steuerst einen Arztkoffer zu eurem Spiel bei, so dass Dein Kind die Rolle des Arztes (Macht!) einnehmen kann, und Untersuchungen an Dir durchführt, sowie Spritzen setzt, den Blutdruck misst oder die Temperatur im Ohr. Auf diese Weise verarbeitet Dein Kind den durch den Krankenhausaufenthalt entstandenen Stress bzw. das eventuell dadurch entstandene Trauma. Oft leihern Kinder von sich aus diese Spiele an. Sie wissen instinktiv, was sie brauchen.

 

Kontingenzspiele

Bei Kontingenzspielen wiederholt sich zuverlässig die gleiche Handlung.

Beispiel: Dein Kind sitzt huckepack auf Deinem Rücken und weist Dir den Weg, den Du gehen sollst, indem es Dir rechts oder links auf die Schulter tippt. Auch Imitationsspiele gehören zu den Kontingenzspielen.

Das Besondere an diesem Bindungsspiel ist, dass durch die Vorhersehbarkeit ein Gefühl der Sicherheit erreicht wird. Zudem genießen die Kinder diese Macht, indem sie bestimmen, wo es langgeht. Gerade das ist ein wichtiger Aspekt, da sich Kinder sehr häufig in Ohnmachtssituationen befinden, wo sie zu tun und zu lassen haben, was andere, meist Erwachsene, von ihnen erwarten.

 

Trennungsspiele

Trennungsspiele sind Spiele, bei denen eine kurze visuelle oder räumliche Distanz zum Kind geschaffen wird. Sie helfen Kindern, spielerisch mit den alltäglichen Trennungssituationen umzugehen. Aber sie sind auch besonders heilsam, wenn das Kind aufgrund zu früher Trennung (z.B. nach der Geburt) ein Trennungstrauma erlitten hat.

Beispiele:

  • Bei Babys: Guck-guck
  • Verstecken: ist definitiv ein therapeutisches Spiel zur Heilung eines Traumas
  • Fangen: ist eine abgewandelte Form des Trennungsspieles. Gut auch in Kombination mit Verstecken – wenn Du Dein Kind findest, bestärke es darin, wegzurennen. Natürlich bist Du total lahm und hast keine Chance. 😉

 

Nonsensspiele

Nonsensspiele sind Spiele, bei denen Du als Erwachsener absichtlich Dinge falsch machst. Auch lustige Übertreibungen in bestimmten Situationen zählen zu den Nonsensspielen.

Das Ziel ist, dass sich Dein Kind totlacht und sich so von angesammeltem Stress befreit. Gleichzeitig wird die Bindung zwischen euch gestärkt.

Beispiele:

  • Puzzleteil an der falschen Stelle einfügen und sich total wundern, warum das nicht passt
  • Klamotten an falschen Körperstellen anziehen -> Hose auf den Kopf o.ä.
  • Kinderlieder falsch mitsingen

 

Kooperative Spiele und Aktivitäten

Der Unterschied zwischen kooperativen und kompetitiven Spielen ist, dass bei kooperativen Spielen kein Wettbewerb ausgetragen wird. Alle Spieler streben hierbei ein gemeinsames Ziel an und es gibt keine Verlierer. Viele Spiele können in kooperative Spiele umgewandelt werden, z.B. die Reise nach Jerusalem. Du kannst mit Deinem Kleinkind einen Turm bauen, indem ihr abwechselnd einen Stein oben aufsetzt.

 

Körperkontakt

Ein Wort zum Schluss zum Thema Körperkontakt:

Nicht jedes Kind kommt gerne kuscheln, aber Körperkontakt ist prima, um die Bindung zu stärken zwischen Kind und Eltern. Beispiele dafür sind Kreisspiele, Schubkarrenspiel, Raufen oder Huckepack.

 

Lebst Du das ein oder andere Bindungsspiel bereits mit Deinem Kind? Erzähl uns doch davon in den Kommentaren. Ich freue mich auf Dein Feedback!

 

Du wünschst Dir noch mehr ausführlich erklärte, konkrete und praktische Bindungsspiele? Dann bist Du auf meiner Facebook-Seite genau richtig! Hinterlasse mir ein „Like“ und Du verpasst keine Spielideen mehr! 🙂

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2 Kommentare

  • Martina

    Danke schön. Das so zu lesen ist wie Heilsalbe auf meine Erfahrungen mit PädagogInnen und PsychotherapeutInnen als mein Sohn zwischen 3 und 8 Jahre alt war. Damals habe ich immer nur gehört, dass alles, was ich tat, grundfalsch war, weil ich ihn unter keinen Umständen für sein Fehlverhalten in der Fremdbetreuung (Kindergarten und Schule) belohnen, keinen Spaß und keine Ausflüge machen, ihm niemals nachgeben und ihm niemals einen eigenen Willen zugestehen sollte, weil er sonst nie lernen würde, zu gehorchen. Zu Liebesentzug und tagelangem Anschweigen wurde mir geraten. Und dazu, meinem Kind praktisch in jeder einzelnen wachen Minute des Tages ganz genau vorzuschreiben, was er zu tun hat. Damit er sich daran gewöhnt, dass er nix zu melden hat. Niemals meinem Kind die Socken anziehen, weil es drum bittet, sondern höchstens, weil es sich heftig dagegen wehrt.
    Das waren schlimme Jahre. Jetzt ist mein Sohn 11 Jahre alt und wir haben uns weitgehend erholen können, und dafür, dass er schon heftig pubertiert, haben wir ein überaus harmonisches Familienleben.

    • Jenn

      Liebe Martina, ich sitze kopfschüttelnd vor meinem Computer, deine Zeilen lesend. Es ist immer noch unglaublich, dass in unserer heutigen Zeit tatsächlich zu solchen Methoden geraten wird. Und das Schlimme daran ist, dass viele Eltern den “Fachleuten” Glauben schenken und diese Ratschläge umsetzen. Es ist wichtig, dass wir daran festhalten, was für uns stimmig ist. Konzentration auf unsere Kinder und Scheuklappen auf. Unser Bauchgefühl trügt uns meistens nicht! Danke für Deine Worte. Alles Liebe, von Herzen, Deine Jenn

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