Weinen: Wie Tränen heilen

In den Augen meines großen Sohnes (4) steigen Tränen auf. Flehend schaut er mich an und versucht es ein letztes Mal: „Mama, ich möchte soooo gerne diese Kekse haben. Biiiiiitteeeee!“

Ich enttäusche ihn. Warum, erfährst Du am Ende des Artikels.

Die Tränen schießen aus seinen Augen und bahnen sich ihren Weg über sein Gesicht. Der kleine Körper zittert ein wenig. Mitten im Supermarkt nehme ich meinen Sohn in den Arm und halte ihn. Die Enttäuschung muss raus. Wir stehen da, bis die Tränen versiegt sind.

Und siehe da, anschließend sind die Kekse gar kein Thema mehr.

Tränen befreien also. Das geht mir genauso.

Aber ist es gleich, welche Art von Tränen wir weinen? Also, was der Auslöser unserer Tränen ist?

 

Tränen aus biochemischer Sicht

Schauen wir uns an, was der amerikanische Biochemiker Dr. William Frey dazu sagt, denn er hat die chemische Zusammensetzung menschlicher Tränen untersucht.

Er hat zweierlei Untersuchungen vorgenommen:

  • Emotionale Tränen (z.B. beim Schauen eines traurigen Films) und
  • Tränen, die durch Reizstoffe ausgelöst werden (z.B. beim Zwiebel schneiden)

Dabei machte er eine spannende Entdeckung:

Die Tränen, die durch Gefühle entstanden unterschieden sich chemisch von denen, die durch Reizstoffe ausgelöst wurden. Das Weinen ist also ein ganz besonderer Vorgang.

Weitere Analysen von Frey ergaben, dass sich in beiden Sorten von Tränen bestimmte, mit Stress zusammenhängende Substanzen befanden.

Das bedeutet, dass das Vergießen von Tränen möglicherweise darauf hinweist, dass sich der Körper durch Weinen von Stress entlastet.

Weinen sei vergleichbar mit anderen Prozessen, die im Körper vorgehen, wie Urinieren, Ausatmen, Menstruieren oder Schwitzen.

 

Wer weinen kann, lebt gesünder

Heute weiß man: Weinen spielt wahrscheinlich eine entscheidende Rolle bei der Wiederherstellung eines heilsamen Gleichgewichts.

In zahlreichen Untersuchungen hat man einen Zusammenhang zwischen Weinen und der körperlichen Gesundheit festgestellt. Dokumentiert ist beispielsweise, dass in manchen Fällen asthmatische Symptome nachließen und Hautausschläge verschwanden, sobald die Patienten anfingen zu weinen.

Zu weinen ist also eine wichtige Handlung zur Reduzierung oder Eliminierung von Stress und sogar Traumata.

 

Setze eine liebevolle Grenze

Mein Sohn schaut mich wieder fröhlich durch die noch feuchten Augen an. Auf den Erregungszustand folgt nun eine sichtlich tiefe Entspannung.

All die Stresssituationen des Tages  weinte mein Sohn in dem Moment, so dass er dann wieder fröhlich seiner Wege gehen konnte. Er brauchte einen Aufhänger, der ihm hilft, in Tränen auszubrechen, damit die Last von ihm abfallen kann.

Mir wurde dies klar, nachdem ich feststellte, dass mein Sohn sehr fordernd wurde. Er verlangte dies und jenes, explodierte bei den kleinsten Dingen. Ich merkte, er sucht eine Möglichkeit, zu weinen und zu wüten. Indem ich ihm eine liebevolle Grenze setzte (es gibt jetzt keine Kekse!), konnte er sich endlich von all dem angesammelten Stress befreien.

Wichtig ist mir zu betonen, dass wir unsere Kinder nicht mit ihren starken Gefühlen alleine lassen, sondern sie begleiten. Wenn sie kleiner sind, ist es schön, wenn sie gehalten werden. Bei größeren Kindern ist es gut, wenn man einfach da ist und wartet, ob und wann Nähe vom Kind gewünscht wird.

 

Kennst Du solche Situationen mit Deinem Kind? Erzähle uns gerne davon in den Kommentaren!

Schau Dir auch an, wie Kinder sich von Stress und Trauma befreien. Dort berichte ich über unsere Krankenhauszeit und wir unser Jüngster dieses Trauma überwinden konnte.

Vgl. zum Artikel das Buch „Auch kleine Kinder haben großen Kummer“* von Dr. Aletha Solter (Aware Parenting Institut)

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