Gehorsam: Mein Kind hört nicht

 

Würdest du sagen, du hast ein „schwieriges“ Kind?

Würdest du sagen, du bist gestresst und überfordert mit der Erziehung deines Kindes?

Besteht euer Alltag vor allem aus Machtkämpfen, Schimpfen und Strafen?

Hast du manchmal vielleicht sogar das Gefühl, die Verbindung zu deinem Kind zu verlieren?

Lass uns gemeinsam hinsehen, was du tun kannst.

 

Die Bedeutung von „Gehorsam“

Der Duden definiert „Gehorsam“ folgendermaßen:

„Sich dem Willen einer (höhergestellten) Person oder Autorität unterordnen und das tun, was sie bestimmt oder befiehlt“.

Parieren, spuren, artig sein, brav sein, sich anpassen, sich beugen, sich ducken, sich fügen…

…sind alles Synonyme für Gehorsam.

Was macht das mit dir, wenn du das liest? Ich kann mir vorstellen, dass du dich dabei fühlst, wie ich: So möchte ich das nicht!

 

„Die Ursache, weshalb Kinder nicht gehorsam sind, liegt nicht am Erziehungsstil der Eltern. Vielmehr ist dies ein Indiz dafür, dass die Eltern-Kind-Beziehung gestört ist“,

 

sagt der Schweizer Kinderarzt und Buchautor Remo Largo.

Harte Worte.

Lass uns bitte genauer hinsehen und nicht gleich den Kopf in den Sand stecken, denn wir können einiges dafür tun, dass es entweder gar nicht erst soweit kommt, oder wir finden Lösungen, wie unsere Eltern-Kind-Beziehung wieder schön wird.

 

Ist Gehorsam erstrebenswert?

Diese Frage habe ich dem Psychoanalytiker und Buchautor Dr. Hans-Joachim Maaz gestellt:

Gehorsam ist ein durch autoritäre Erziehungspraktiken belasteter Begriff. Es sind immer Machtverhältnisse damit angesprochen: Einer gibt eine Anweisung, der andere muss gehorchen. Für Eltern-Kind-Beziehungen natürlich nicht zu empfehlen. Wir wünschen uns keine Objekt(Kind)-Subjekt(Eltern)-Erziehung, sondern eine Subjekt-Subjekt-Beziehung.

Natürlich tragen Eltern die Verantwortung für Situationen und Entscheidungen, die Kinder noch nicht kennen oder nicht verstehen oder einfach noch nicht überschauen können. Es gibt also immer Situationen, in denen Kinder „gehorchen“ müssen, um Gefahren oder Schaden abzuwenden. Ohne klare Ansagen („Befehle“), was ein Kind tun oder lassen muss, wird man also nicht auskommen.

Nur „Gehorsam“ erzeugt jedoch Stress auf beiden Seiten mit der Folge der Hemmung lebendiger Entwicklung oder des heimlichen Protestes (Erkrankung, Verhaltensstörungen, Konflikte).

Befehlen und gehorchen wird überflüssig durch Kommunikation: zuhören, verstehen, sich selbst mitteilen, gemeinsam Lösungen finden und – wenn notwendig – klare Ansagen machen.

In einer empathischen Beziehung sind klare Ansagen und Verpflichtungen überhaupt keine Belastung, sondern echte Hilfen für Halt und Orientierung.

 

Was kannst du aktiv tun?

Stärke die Ver-Bindung zu deinem Kind!

Wenn dein Kind nicht auf dich hört, du oft das Gefühl hast, nicht an es ranzukommen, sind Bindungsspiele eine Möglichkeit. Lese dir dazu meinen Artikel „Bindungsspiele – zur Förderung von Kooperation und Nähe“ durch.

Werde mit deinem Kind wieder ein Team. Sprecht viel miteinander, rede über deine Gefühle, über deine Wahrnehmung, lass die Gefühle deines Kindes zu und begleite sie liebevoll.

Gib deinem Kind das Gefühl, dass es jederzeit in deiner Gegenwart erwünscht ist, auch und vor allem, wenn es sich gerade nicht so verhält, wie du es gerne hättest.

Schaffe feste Rituale, denn die geben Kindern Struktur, Geborgenheit und Sicherheit.

Liebe dein Kind bedingungslos: „Du bist willkommen, so wie du bist! Du bist wunderbar! Wir haben dich immer lieb und sind für dich da! Wir sorgen für dich!“

Sei stets aufrichtig und ehrlich. Lügen machen das Vertrauen kaputt, das man sich dann wieder mühsam aufbauen muss.

Mache deine eigenen Grenzen deutlich, z.B. wenn du überfordert oder müde bist, kein Interesse hast oder keine Lust oder keine Zeit. Betone aber, dass es dein Problem ist, was du auch bedauern und dich dafür entschuldigen kannst. Kinder werden erst zu „Tyrannen“, wenn Eltern ihre Situation und ihr Verhalten nicht eindeutig erklären!

Achte auf die Bedürfnisse: Frage dich, welches Bedürfnis steckt hinter dem aktuellen Verhalten? Kein Kind der Welt ist von Natur aus böse!

Mache keine Vorwürfe und verhänge keine Strafen, stattdessen Empathie und Achtsamkeit.

Versetze dich in dein Kind: Interpretiere das (Fehl-)Verhalten deines Kindes als berechtigten Ausdruck einer Not! Wo fehlt etwas? Was braucht mein Kind gerade? Was ist in seinem Inneren los, dass es sich so oder so verhält? Was können wir verändern, um bessere Bedingungen zur Entwicklung zu schaffen?

Und last but noch least: Glaube an dein Kind! Denn das schafft Selbstbewusstsein.

 

Für weitere Impulse und Informationen, schau dir den Video-Trailer zu meinem Vortrag “Hilfe, mein Kind gehorcht nicht” an.

Bildquelle: pixabay – Alois_Wonaschuetz

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